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Wofür werden die Informationen aus dem Schülerfragebogen zu Ihrem Zuhause benötigt?

Diese Informationen werden zur Berechnung von sogenannten Erwartungsbereichen benötigt. Die Erwartungsbereiche  werden nur auf Klassen- und Schulebene berechnet, nicht jedoch für einzelne SchülerInnen. Mehr zu dieser Art von Leistungsvergleich finden Sie weiter unten (siehe "Was sind Erwartungsbereiche?").

Wofür werden die Informationen aus dem Elternfragebogen im Zyklus 2.1, 3.1 und 4.1 benötigt?

In Ergänzung zu den Fragen im Schülerfragebogen des Zyklus 2.1, 3.1 und 4.1 werden für die Berechnung des Erwartungsbereiches (siehe "Was sind Erwartungsbereiche?") auch Antworten benötigt, die von den Kindern meist nicht zuverlässig gegeben werden können, z. B. die berufliche Qualifikation und  der Beruf der Eltern. Daher gibt es im Zyklus 2.1, 3.1 und 4.1 neben dem Schülerfragebogen auch einen Elternfragebogen. Dieser soll in einem verschlossenen Umschlag über die KlassenlehrerInnen an die Schule zurückgeschickt werden. Sollten Erziehungsberechtigte dies nicht wollen, können sie den ausgefüllten Fragebogen auch direkt an die Universität Luxemburg schicken (Universität Luxemburg, LUCET, Campus Belval, Maison des Sciences Humaines, 11, Porte des Sciences, L-4366 Esch/Alzette).

Was sind Erwartungsbereiche?

Viele Lehrkräfte wissen von vornherein, dass ihre Klasse aufgrund der soziokulturellen und sozioökonomischen Zusammensetzung ziemlich sicher unter oder über dem Landesdurchschnitt abschneiden wird. Warum soll man also überhaupt testen, wenn das Ergebnis sowieso von vornherein festzustehen scheint?

Zahlreiche internationale und nationale Studien (z.B. PISA, PIRLS, die ÉpStan) haben immer wieder gezeigt, dass die genannten Merkmale (Geschlecht, sozialer Hintergrund, Muttersprache) deutlich mit der Leistung in Kompetenztests zusammenhängen. So geht beispielsweise in Luxemburg mit weiblichem Geschlecht, luxemburgischer oder deutscher Muttersprache und hohem sozialen Status im Mittel eine höhere Leistung in einem Deutschtest einher. Andererseits haben Jungen mit portugiesischer oder französischer Muttersprache und niedrigem sozialen Status im Mittel eine eher schlechtere Leistung in einem Deutschtest.

Die soziokulturelle und sozioökonomische Zusammensetzung der Schülerschaft unterscheidet sich erheblich zwischen Klassen. Leistungen der Klassen sind also nicht ohne Weiteres zu vergleichen.

Am deutlichsten lässt sich dies wohl an einem (stark vereinfachten) Beispiel erläutern: Nehmen wir eine fiktive Schulklasse an, die einen Deutschtest absolviert hat. Die SchülerInnen haben dabei ein Ergebnis von im Mittel 430 Punkten erreicht und liegen somit deutlich unter dem nationalen Durchschnitt. Nehmen wir weiter an, dass die Klasse vor allem von Jungen aus sozial weniger gut gestelltem Elternhaus besucht wird, die zu Hause Portugiesisch oder Französisch sprechen. Vor diesem Hintergrund ist das unterdurchschnittliche Abschneiden nicht überraschend. Die interessantere Frage lautet aber: wie verhält sich das tatsächliche Ergebnis der Klasse zu demjenigen, das aufgrund der Zusammensetzung der Schülerschaft ohnehin zu erwarten gewesen wäre? Um diese Frage zu beantworten, berechnen wir Erwartungsbereiche anhand eines statistischen Modells.

  • Dabei gehen wir wie folgt vor: Mithilfe eines statistischen sogenannten Regressionsmodells ermitteln wir zunächst den Zusammenhang von Testleistungen in Mathematik und Deutsch (sowie Französisch in der Sekundarstufe) einerseits und Geschlecht, sozialem Hintergrund, sprachlichem und Migrationshintergrund, Schullaufbahndaten, sowie Schulform (in der Sekundarstufe) andererseits. Die genannten Merkmale bezeichnen wir als Hintergrundvariablen.
  • Im zweiten Schritt verwenden wir die Parameter des Regressionsmodells, um für jede Klasse einen Wertebereich zu berechnen, in dem das Ergebnis der Klasse liegen sollte, wenn die im Regressionsmodell abgebildeten Zusammenhänge dort ebenso gelten wie im gesamten Land. Die Breite dieses Erwartungsbereichs spiegelt die Messgenauigkeit der eingesetzten Tests, die Vorhersagegenauigkeit des Regressionsmodells und Unsicherheit aufgrund fehlender Daten wider. Hat eine Klasse nun ein Ergebnis erzielt, das über dem Erwartungsbereich liegt, so hat sie damit besser abgeschnitten, als aufgrund sozioökonomischer Merkmale der SchülerInnen statistisch zu erwarten gewesen wäre. Ein Ergebnis unterhalb des Erwartungsbereichs signalisiert jedoch ein schlechteres Resultat, als statistisch zu erwarten gewesen wäre.

Indem das Leistungsprofil der eigenen Klasse also in Bezug zu Klassen mit vergleichbarer soziokultureller und sozioökonomischer Zusammensetzung gesetzt wird, können auch Lehrkräfte, welche z. B. sehr effektiv unter "schwierigen" Bedingungen arbeiten, eine positive und wissenschaftlich abgesicherte Leistungsrückmeldung zu ihrer Klasse erhalten. Erwartungsbereiche sind jedoch nicht nur für Lehrkräfte, welche unter "schwierigen" Bedingungen arbeiten, interessant, sondern für alle Lehrkräfte, die sich ein faires Bild der Schülerleistungen ihrer Klassen machen wollen.

Ein wichtiger Hinweis: Die Angaben zum sozialen Hintergrund werden pseudonymisiert behandelt und es gibt an keiner Stelle eine Rückverfolgung zu einzelnen SchülerInnen oder Elternhäusern, denn dem Ministerium liegen diese Daten nicht vor und die Universität kann die Aussagen nur Pseudonymen zuordnen (siehe auch "Inwieweit sind die ÉpStan datenschutzrechtlich abgesichert?").

Kann ich eine Kopie des Tests/des Fragebogens erhalten?

Aus urheberrechtlichen Gründen und da ein Teil der Aufgaben wiederverwendet wird (siehe "Veröffentlichung der Aufgaben"), ist eine Herausgabe des Testmaterials nicht möglich. Beispielfragebögen finden Sie auf der Downloadseite.