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Was testen die ÉpStan?

Die ÉpStan testen Kompetenzen, wie sie in den luxemburgischen Bildungsstandards definiert sind. Momentan werden die Kompetenzen in den Bereichen Mathematik, Luxemburgisch-Hörverstehen und Vorläufer der Schriftsprache die im Zyklus 1 erworben wurden zu Beginn des zweiten Zyklus (2.1) getestet. Zu Beginn des dritten Zyklus (3.1) werden die Kompetenzen in den Bereichen Mathematik, Deutsch-Leseverstehen und Deutsch-Hörverstehen die im Zyklus 2 erworben wurden erfasst. Zu Beginn der Ve/9e werden die bis zur VIe/8e erworbenen Kompetenzen in Mathematik sowie im Deutsch-Leseverstehen und im Französisch-Leseverstehen überprüft.

Was sind die übergeordneten Ziele der ÉpStan?

Die ÉpStan dienen als Instrumente der Qualitätsentwicklung und -sicherung. Die Schülerleistungen werden in verschiedenen Fächern in unterschiedlichen Klassenstufen erfasst und u. a. mit dem Schulklima sowie sozioökonomischen Faktoren in Zusammenhang gebracht. Insbesondere werden mit der Durchführung der ÉpStan fünf Ziele verfolgt, die sich untereinander ergänzen:

1. Entwicklung von Unterricht
Pädagogische Impulse für schulinterne Entwicklungsprozesse sollen geliefert und die Kooperation innerhalb des Lehrerkollegiums gestärkt werden.

2. Stärkung der diagnostischen Kompetenz von Lehrkräften
Die Testresultate geben den Lehrerinnen und Lehrern eine zusätzliche Orientierung für die Absprache schulinterner Kriterien zur Leistungsbewertung und für die Beratung von SchülerInnen und ihren Eltern.

3. Bestimmung von Lern- und Förderbedarf
Die Rückmeldungen der Ergebnisse ihrer SchülerInnen in den Kompetenztests können Lehrkräfte zur individuellen Förderung nutzen.

4. Entwicklung des Schulsystems
Informationen für eine zuverlässige Bildungsberichterstattung werden geliefert und tragen zu einer datengestützten Schulentwicklung und Bildungsplanung bei.

5. Normierter Vergleich
Den Schulverantwortlichen wird eine Standortbestimmung durch den Vergleich der Ergebnisse ihrer Klassen mit Normwerten ermöglicht. Dabei können die Klassen nicht nur mit dem Landesdurchschnitt verglichen werden, sondern auch mit einer Gruppe von Klassen, deren Schülerschaft der eigenen Klasse ähnlich ist. Schließlich lassen sich anhand innerschulischer Vergleiche von Parallelklassen relative Stärken und Schwächen aufdecken und mögliche Gründe hierfür analysieren.

Warum gibt es neben den ohnehin existierenden Tests (Prüfungen in den Schulen und Studien wie z.B. PISA ) auch die ÉpStan?

Viele empirische Studien haben gezeigt, dass verschiedene Lehrkräfte für die gleiche Leistung in Klassenarbeiten unterschiedliche Noten vergeben. Klassenarbeiten und ähnliche Arten der Leistungsbewertung sind somit nicht geeignet ein Bildungssystem wissenschaftlich zu evaluieren, da hierfür die Vergleichbarkeit der Leistungsbewertungen über Klassenzimmer oder Schulen hinweg unerlässlich ist.

Im Gegensatz hierzu verwenden die ÉpStan standardisierte (einheitliche) Testaufgaben mit geschlossenen Antwortformaten oder Aufgaben, bei denen die SchülerInnen nur sehr kurze Antworten geben müssen. Solche Aufgaben zeichnen sich dadurch aus, dass sie in hohem Maße objektiv ausgewertet werden können, was die Vergleichbarkeit von Schülerleistungen über Klassenzimmer oder Schulen hinweg sichert. Damit ist eine zentrale Voraussetzung für eine datengestützte Evaluation des luxemburgischen Schulsystems gegeben.

Auch in PISA werden standardisierte Testaufgaben eingesetzt. Jedoch verwendet PISA ein internationales Rahmenkonzept zur Definition schulischer Kompetenzen, wohingegen die Kompetenzen, die in den ÉpStan erfasst werden, an die luxemburgischen Socles de compétences bzw. die Bildungsstandards angekoppelt sind. Weiterhin nehmen an PISA – im dreijährigen Rhythmus – jeweils alle 15-jährigen SchülerInnen teil, unabhängig von der Klassenstufe, die sie bei der Durchführung von PISA besuchen. Die Ergebnisse von PISA werden dann erst ein Jahr später veröffentlicht. An ÉpStan nehmen jedes Jahr im Herbst alle GrundschülerInnen des Zyklus 2.1, 3.1 sowie alle SekundarschülerInnen der 7e und Ve/9e teil. Die Ergebnisse werden dann noch im selben Schuljahr zeitnah rückgemeldet.

Ein weiterer Vorteil der ÉpStan liegt darin, dass die Ergebnisse der SchülerInnen über die Jahre hinweg in Bezug zueinander gesetzt werden und so Entwicklungen sichtbar gemacht werden können.

Zusammenfassend sind die ÉpStan also an die Spezifika der luxemburgischen Kompetenzstandards angekoppelt, bieten gegenüber PISA eine deutlich bessere zeitliche Auflösung, beziehen SchülerInnen des Fondamental und der Sekundarstufe ein und melden die Ergebnisse auf Schüler-, Klassen- und Schulebene zeitnah zurück.

Damit sind die ÉpStan wesentlich besser als PISA dazu geeignet, eine individuelle Förderung als auch die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu unterstützen.

Der Vorteil von PISA hingegen liegt im internationalen Vergleich wichtiger Qualitätsindikatoren zur Evaluation des Bildungssystems.

Veröffentlichung der Aufgaben

Jedes Jahr wird nur ein Teil der Aufgaben veröffentlicht da ein Teil der Aufgaben in mehreren aufeinander folgenden Schuljahren eingesetzt wird um den Vergleich der Ergebnisse über mehrere Jahre hinweg zu ermöglichen. Nur so ist es dann auch möglich, den Einfluss von Reformen des Bildungswesens zu analysieren.

Bleibt es dabei, dass es die ÉpStan nur in ausgewählten Schulstufen und Fächern geben wird?

Mit der Gründung des Luxembourg Centre for Educational Testing (LUCET) ist explizit angedacht die ÉpStan im Zyklus 2.1, 3.1, 4.1 sowie in den Klassen der 7e und Ve/9e durchzuführen. Mittelfristig könnten die ÉpStan jedoch nicht nur weitere Schulstufen, sondern auch zusätzliche Fächer und/oder Kompetenzen (Naturwissenschaften, Texte schreiben, reden, ...) mit einbeziehen.

Wie sollen Kompetenzen wie die schriftliche Produktion oder der mündliche Ausdruck mit den ÉpStan gemessen werden können?

Langfristig ist vorgesehen, die ÉpStan auch in diese Richtung zu erweitern, indem entsprechende Messinstrumente entwickelt werden. Derzeit gibt es keine Messinstrumente, die eine im Verhältnis zum Aufwand hinreichend effektive und zugleich verlässliche und objektive Messung dieser komplexen Kompetenzen ermöglichen.